
Wozu Forumtheater?
Im Rahmen des Projektes DialogRaumGeld in Augsburg gab es die Möglichkeit, den Ansatz des Forumtheaters nach Augusto Boal bezogen auf das Thema Geld auszuprobieren.
„Die Zuschauer werden von dem Moderator aufgefordert, Lösungs- und Handlungsvorschläge für den dargestellten Konflikt auszuprobieren. Dafür kommen sie auf die Bühne und zeigen spontan, wie sie mit der Situation umgehen würden. Die Schauspieler agieren weiterhin als Gegenspieler. Sie fordern die Zuschauer heraus, sich dem Konflikt zu stellen, nicht aufzugeben, sondern nach immer neuen Handlungsalternativen zu suchen. Die Gegenspieler dürfen nicht ausgetauscht werden. (…) Das Publikum erfährt die möglichen Wirkungen der jeweils vorgestellten Idee. Neue Ideen werden geboren und neue Sichtweisen tun sich auf. Am Ende haben die Zuschauer ein ganzes Spektrum an Handlungsmöglichkeiten gesehen und ausprobiert.“ (Friderike Wilckens von Hein, 18.07.2011 in bpb)
Die Besonderheiten
- Wir haben die Methode des Forumtheaters entsprechend dem Thema unseres Projektes ausschließlich auf Geld bezogen. Das sollte kritische fragen aufwerfen, denn aufgrund des Ansatzes werden die strukturellen Probleme naturgemäß wenig thematisiert. (Um das auszugleichen kann die Methode des Legislativen Theaters herangezogen werden.)
- Wir waren eine kleine Gruppe von fünf Mitwirkenden. Unsere Anleiterin ist Theaterpädagogin und hat einige Erfahrung mit der Methode des Forumtheaters gesammelt.
Wie wir vorgegangen sind
Vom Beginn bis zur Aufführung wurden wir professionell von der Theaterpädagogin Nina Roob angeleitet. Die Vorbereitung lief mehrstufig ab. Um mit fünf Personen mehr als eine Aufführung auf die große Bühne zu bringen, für die viel mehr Menschen notwendig sind, haben wir uns in acht Videotreffen intensiv vorbereitet. In dem Workshop im Konvent konnten wir daher die selbst soeben erarbeiteten Kenntnisse und Fähigkeiten direkt an weitere Interessierte vermitteln, von denn dann einige auch Mitspieler:innen wurden.
Mit einer Spielszene haben wir die Vorgehensweise erläutert (Foto: Leo Schenk)
Im Konvent haben wir zu unserem Workshop eingeladen, indem wir eine von uns in unseren Videotreffen vorbereitete Szene mit ihrem Konflikt kurz angespielt haben.
In diesem Workshop konnten wir unser Vorgehen genauer vorstellen und weitere Geschichten zum Thema Geldschmerz sammeln. Zwei von diesen Geschichten haben wir gemeinsam ausgewählt und für die Aufführung zu jeweils einer Schlüsselszene verdichtet. Darin ging es um folgende Konflikte:
- Bisher schenkten zwei erwachsene Brüder ihren jeweiligen Neffen zum Geburtstag gleichgroße Geldbeträge. Am Beginn einer Geburtstagsfeier eines der Söhne bzw. Neffen entzündet sich ein Streit zwischen den Brüdern und eskaliert, weil einer von ihnen unabgestimmt und dadurch sehr überraschend seinem Neffen kein Geld mehr schenkt.
- Eine Familie von Geflüchteten war von der zuständigen Sachbearbeiterin in der Stadtverwaltung im Rahmen ihrer Möglichkeiten bisher gut betreut worden. Dem Wunsch des Familienvaters nun auch eine größere Wohnung zu besorgen kann sie aufgrund der Verwaltungsstruktur – für Wohnungen ist sie nicht zuständig – nicht entsprechen, auch wenn sie es gern täte.
Nach einem gemeinsamen Aufwärmen führten wir diese zwei Szenen am Abend auf. Zuschauer:innen aus dem Publikum stiegen in mehrere Rollen ein und präsentierten ihre Lösungsvorschläge. Die Akteur:innen reagierten darauf. Daraufhin befragte die Anleiterin die Akteur:innen nach ihren Wahrnehmungen als Stellvertreter:innen.
Gemeinsam mit dem Publikum tauschten wir uns anschließend über unsere Eindrücke und Beobachtungen und mögliche weitere Lösungsmöglichkeiten aus. Dabei wurden auch strukturelle Hemmnisse und Probleme des Geldwesens und der Wirtschaft angesprochen, für die mit Hilfe des Forumtheaters nur schwer Lösungsansätze gefunden werden können.
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