Workshop „Geld neu erleben!“

Cokreativ-spielerische Experimente zur Reflexion von Geld und unterschiedlichen wirtschaftlichen Systemlogiken

Beteiligung an der Dritten Reallaborkonferenz der TH Köln

17. September 2026

Teilnahme an der Reallaborkonferenz 2026 in Opladen

TH Köln, Leverkusen-Opladen

Bei der Reallaborkonferenz haben Teresa Karayel und ich einen Workshop angeboten, mit dem wir verdeutlichen, wie durch die versteckten Zinsen die Umverteilung beim Geld von „unten“ nach „oben“ führt. Der Titel lautete: „Geld neu erleben!“ Der FJVD e.V. in Wuppertal finanzierte unsere Teilnahme an der Dritten Reallaborkonferenz 2026 der TH Köln am Standort Leverkusen-Opladen.

Die Spielsituation

Teresa Karayel (2. v.l.) und ich konnten trotz starker Konkurrenz durch andere parallele Angebote während der Konferenz eine Mitspielerin und zwei Mitspieler gewinnen, die sich auf die Simulation eingelassen haben. Die durften die für sie ungewohnten Erfahrungen und neuen Erkenntnisse zwischendurch erst einmal wirken lassen.

Mit Gradido für das Gemeinwohl

In der Logik des Gradido (im zweiten Teil unseres Simulationsspiels) kann Geld – eben in Form von Gradidos, die hier durch Kirschkerne repräsentiert werden – für Gemeinwohlinteressen eingesetzt werden. Bei einigen Mitspielenden kommt eine besondere Begeisterung auf, wenn sie „Finanzressourcen“ bereitstellen können, um damit ihre Herzensanliegen zu fördern.

Wie wir im Workshop konkret vorgegangen sind

ABLAUF
Minuten (ca.)
1. Einführung und Kontext
20
Kurzinput zu Dynamiken des bestehenden und eines alternativen Geldsystems Einführung in die Leitfragen des Workshops
Vorstellung des experimentellen Formats
2. Simulation des bestehenden Geldsystems
40
Spielbasierte Simulation wirtschaftlicher Austauschprozesse im Euro-Raum
Teilnehmende erleben Dynamiken von Wettbewerb und Umverteilung über die Zinsen in Preisen aller Produkte und Dienstleistungen
3. Experiment mit alternativer Systemlogik
40
Simulation wirtschaftlicher Austauschprozesse im Gradido-Raum
4. Reflexion und Transfer
20
Gemeinsame Auswertung der Spielerfahrungen mit Vergleich der unterschiedlichen Systemlogiken
Diskussion möglicher Anwendungen in Reallaboren und Bildungsprojekten – Angebot der offenen Spielanleitung

Wie gestaltet Geld die Welt?

Geld prägt nahezu alle Bereiche unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens – von individuellen Konsumentscheidungen über wirtschaftliche Prozesse bis hin zu politischen Gestaltungsspielräumen. Gleichzeitig bleibt ein großer Teil des Geldsystems für viele Menschen abstrakt und schwer greifbar.

Die Konstruktionsmerkmale des Geldes sind zu wenig bewusst

Selbst Personen, die beruflich oder wissenschaftlich an wirtschaftlichen Fragen arbeiten, sind sich vieler Architekturelemente bzw. Konstruktionsmerkmale unseres Geldes nicht bewusst: Art der Schöpfung, Zugang und Erstverteilung des Geldes, Geldbasis und -deckung, Steuerung der Akkumulation bzw. Umlaufsicherung und die Governance, wer also wie mit wem über die Gestaltung dieser Architekturelemente entscheidet. Zudem erfahren sie die indirekten Wirkungsweisen innerhalb von Geldsystemen selten konkret und durchdringen sie kaum.

Versteckte Zinsen als ein Merkmal der Geldarchitektur

Wir simulieren daher einige wenige Architekturelemente bzw. Konstruktionsmerkmale des Geldes mit ihrer Wirkung – zu Spielzwecken sehr stark in ihrer Komplexität reduziert. In diesem Workshop ging es uns vor allem um die in den Preisen von Produkten und Dienstleistungen versteckten und bei Verteilungsfragen kaum beachteten Zinsen. Damit adressieren wir eine Facette der Steuerung der Akkumulation bzw. Umlaufsicherung als eines von mehreren Merkmalen der Geldarchitektur.

Zwei sehr unterschiedliche Geldsysteme spielerisch simuliert

Unser Workshop „Geld neu erleben!“ hat diese Herausforderung der versteckten Zinsen aufgegriffen. Wir haben die Teilnehmenden dazu eingeladen, Geld mit seinen Wirkungen eben nicht nur theoretisch zu diskutieren, sondern praktisch und spielerisch zu erleben. Genau genommen haben wir zwei verschiedene Geldsysteme mit unterschiedlichen Konstruktionsmerkmalen simuliert.

Herkunft und Potenzial des Simulationsspiels

Teresa Karayel hat dieses Simulationsspiel entwickelt und aus Dutzenden von Workshops, die sie mit ihren Mitspieler:innen reflektiert hat, viel Erfahrung gesammelt (www.teresa-karayel.de). Wir erweitern das Simulationsspiel um intensive Reflexion. Zudem ermutigen wir alle, die mitmachen wollen, die vorgeschlagene Struktur des Simulationsspiels zu variieren und regen zum weiteren Experimentieren im Rahmen eines kontinuierlichen und koordinierten Forschungsprozesses an.

Auch Geld ist eine Transformationsvariable!

Wir sollten auch das Geld als eine Transformationsvariable (an)erkennen. Transformative Prozesse müssen sich daher auch auf das Thema Geld beziehen. Wie wir unser Geben und Nehmen organisieren, wird maßgeblich dazu beitragen, wie resilient unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft insgesamt sein werden. Wir können es als eine Art „soziales Prepping“ (gemeinschaftliches Vorbereiten auf Herausforderungen) verstehen, wenn wir unsere Transaktionssysteme krisenfest machen. Sofern wir das tatsächlich wollen, benötigen wir – wie in Reallaboren angestrebt – neue Formen des Lernens, Erfahrens und Einübens:

Experimente, Simulationen und Spiele

Unterstützen können uns dabei Simulationen, Experimente, Spiele und andere Erfahrungsarrangements zum Thema Geld. Mit ihrer Hilfe sollten die oben genannten Architekturelemente bzw. Konstruktionsmerkmale interaktiv simuliert werden. Gesellschaftliche Zusammenhänge, bei denen das Thema Geld und seine Gestaltung eine wichtige Rolle spielen, lassen sich mit angemessener Reduktion der Komplexität analysieren. Solche Erfahrungsarrangements ermöglichen es, mögliche Wirkungen von Gestaltungsvarianten sichtbar zu machen, zu erleben und gemeinsam zu reflektieren.

Unsere Erfahrungen aus unserem Reallabor-Workshop werten wir zzt. noch aus

Unsere Ergebnisse stelle ich demnächst hier vor.

Welche weiteren Konstruktionsmerkmale des Geldes lassen sich simulieren?

Diese Frage wird mich in der kommenden Zeit noch stärker beschäftigen.

Das Material für die Simulation und dessen Einordnung

Für die Umverteilung durch die versteckten Zinsen greifen wir auf die Erkenntnisse von Helmut Creutz (1923-2017) zurück. Siehe auch seine Grafiken auf www.helmut-creutz.de. Die Möglichkeiten und Grenzen seiner Thesen werden wir hier noch genauer würdigen und darstellen.

Mehr Infos zur utopischen Währung des Gradido

In einem Forschungsraum in Donaueschingen (ähnlich wie ein Reallabor) haben wir im September 2025 einige Wirkungen des Gradido beforscht. In einem Artikel in der Zeitschrift „Humane Wirtschaft“ stellen wir unsere Erfahrungen aus dem Forschungsraum vor: > hier <.

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